Freitag, 4. März 2016

Josef Sigmund Nachbauer – Vorarlberger Freiheitsheld aus Rankweil



Den meisten Vorarlbergern ist er ein Begriff, über die Landesgrenzen hinaus ist er weniger bekannt. Trotzdem steht er im Ländle in einer Reihe mit Freiheitskämpfern wie Dr. Anton Schneider oder Bernhard Riedmiller. Die Rede ist vom in Rankweil geborenen Lehrer Josef Sigmund Nachbauer.

 

Die Familie Nachbauer stammte ursprünglich aus der Berggemeinde Fraxern, siedelte jedoch schon vor Sigmunds Geburt (der zweite Name war früher der Rufname) nach Rankweil um. Hier wurde Sigmund am 16. Februar 1759 geboren. 1777 wurde er der erste Lehrer der Dorfschule von Rankweil-Brederis, eine Stelle, die er bis zum Vorarlberger Aufstand von 1809 innehatte. Er heiratete 1790 Maria Elisabeth Köchle aus Altenstadt und hatte mir ihr drei Kinder.

 

Neben seinen Lehrertätigkeiten erfüllte er etliche öffentliche Aufgaben. So war er Beisitzer beim Landgericht Rankweil-Müsinen, Quartiermeister in Brederis während der Koalitionskriege, Gemeinderat in Rankweil und Vorsteher der Ortsteils Berderis.

 

Schon während des ersten Koalitionskrieges trat Nachbauer 1796 der Feldkirch-Rankweiler Schützenkompanie bei und kämpfte mit dieser gegen das Vordringen der Franzosen ins Rheintal. Dabei zeichnete er sich bereits durch besonderen Eifer und Tapferkeit aus, die ihm auch von offizieller Stelle bestätigt wurde. Unter Nachbauer kam es zur Gründung einer eigenständigen Rankweiler Schützenkompanie, die sich nun von den Feldkirchern löste, mit denen sie bis dahin verbunden gewesen war. Nach einem kurzen Frieden brach der Krieg 1798 erneut aus. Im Zuge dieses zweiten Koalitionskrieges gegen Frankreich wurde die Lage für Vorarlberg prekär, denn die Schweiz (als Helvetische Republik) war mit Frankreich verbündet und französische Truppen überschritten den Rhein. Am 22. und 23. März 1799 kam es zu den heftigsten Kämpfen, die jemals in Vorarlberg ausgetragen wurden: die Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Feldkirch. Die Landstände hatten eine starke Landesverteidigung aufgebaut, brauchten jedoch noch die Unterstützung österreichischer Linientruppen, um den Gegner wirkungsvoll von einer Einnahme des Landes abhalten zu können.

 

Anfang März hatten die Franzosen den Rhein bei Bad Ragaz überquert und hatten den Luziensteig genommen. General Oudinot (der Marschall Massena unterstand) überquerte bei Bendern den Rhein, worauf es sogleich mit den Rankweiler und Bludenzer Schützen am Schellenberg zu Kämpfen kam. Schon drangen die Franzosen in den Raum Feldkirch vor, konnten aber vorerst noch auf Nendeln zurückgeworfen werden. Dann trat eine zweiwöchige Pause ein, bis die Franzosen am 22. März erneut den Angriff wagten: Nachbauer war inzwischen zum Kommandanten der Rankweiler Schützen geworden. Der Angriff erfolgte über den Schellenberg und über Tisis zugleich. Es kam im gesamten Gebiet um den Blasenberg bis zur Letzte zu heftigen Kämpfen. Eine Schlüsselstelle war dabei der Margarethenkapf, auf dem Nachbauer selbst befehligte uns es gelangt die Franzosen vom Vordringen in die befestigte Stadt Feldkirch abzuhalten. Am 23. März war der Kampf entschieden und die Franzosen zogen sich nach Nendeln zurück. Die Verluste beliefen sich bei den Franzosen auf etwa 3000 Mann, bei den Österreichern waren es etwa 900.

 

Bereits ein Jahr später, 1800, kam es zu erneuten Kämpfen mit den Franzosen, die von Norden her im Rheintal eingefallen waren und bis Rankweil und Altenstadt kamen, wo sich ihnen die Rankweiler Schützen entgegenstellten. Nach heftigen Kämpfen konnten die Franzosen auf Götzis zurückgeworfen werden. Nichtsdestotrotz konnten die Vorarlberger Schützen gegen sie längerfristig nichts ausrichten, da die regulären kaiserlichen Truppen nach Tirol abgezogen worden waren, um dort einen Einfall der Franzosen zu bekämpfen. Vorarlberg wurde besetzt uns blieb es bis zum Frieden von Lunéville 1801.

 

Als 1805 der dritte Koalitionskrieg ausbrach, war Vorarlberg von Norden her durch Bayern bedroht, das sich Napoleon angeschlossen hatte. Es kam jedoch zu keinen ernsthaften Kämpfen auf Landesgebiet mehr. Erneut gewann Frankreich mit seinen Verbündeten den Krieg und Vorarlberg kam im Zuge des Friedens von Preßburg zusammen mit Tirol an Bayern.

 

Die Bayernherrschaft brachte gewaltige Umbrüche in der Verwaltung des Landes. Jahrhundertealte Strukturen wurden aufgelöst, Traditionen ohne Kompromiss beseitigt und das Land „modernisiert“, was auf heftigen Widerstand großer Teile der Bevölkerung (vor allem am Land) führte und einer der Gründe für den Aufstand von 1809 werden sollte. Zudem wurden die allgemeine Wehrpflicht und neue Steuern eingeführt, was für großen Unmut sorgte.

 

Napoleon hatte einen Großteil Europas unterworfen, doch als 1808 sich die spanische Bevölkerung erhob, keimte auch andernorts die Hoffnung auf Befreiung auf, unter anderem auch in Vorarlberg. Der erneute Ausbruch des Krieges zwischen Österreich und Frankreich, sorgte auch hier für ein Aufflammen der patriotischen Stimmung, da die Bevölkerung dem Haus Habsburg immer noch stark verbunden war. In Tirol war der Aufstand ausgebrochen und Vorarlberg schloss sich an. Die Landstände organisierten sich, Sigmund Nachbauer organisierte die Kompanien im Oberland. Anfang Mai besetzten die Freiheitskämpfer Lindau, woran auch Nachbauer beteiligt war. Der Aufstand wurde jedoch bald niedergeschlagen. Nichtsdestotrotz rief Nachbauer und andere die gesamte Bevölkerung im Land zum Widerstand und zur Befreiung auf. Dieses Bestreben blieb jedoch erneut erfolglos.

 

Als der Aufstand endgültig niedergeschlagen war, floh Nachbauer in die Schweiz und kurz darauf nach Tirol. Dort hoffe er Unterstützung von Andreas Hofer zu bekommen, was dieser jedoch aufgrund der ungünstigen Kriegslage ablehnen musste. Als er im November 1809 nach Vorarlberg zurückkehrte, wurde Nachbauer verhafte und vor ein Sondergericht in Lindau gestellt. Auf Ersuchen der Landstände wurde er bald wieder auf freien Fuß gesetzt, verlor jedoch all seine Ämter und durfte nicht mehr als Lehrer tätig sein. In den kommenden Jahren blieb Nachbauer in Vorarlberg und erhielt eine jährliche Rentenzahlung des Wiener Hofes.

 

Als 1813 sich ganz Europa gegen Napoleon erhob, gab es auch in Vorarlberg Kräfte, die sich erneut für einen Aufstand gegen Bayern stark machten. Sigmund Nachbauer ist erneut verdächtig. Am 4. April wird er von den bayrischen Behörden verhaftet und nach München gebracht. Am 25. August wird er, bereits schwer krank,  nach Ingoldstadt verlegt, wo er in Gefangenschaft am 25. Oktober stirbt. Dort wurde er auch begraben. Der bayrische Staatsminister Mongelas hatte, nachdem Bayern mit Frankreich gebrochen hatte, am 21. Oktober die Freilassung Nachbauers angeordnet. Diese kam jedoch erst nach dem Tod Nachbauers in Ingoldstadt an. Im Juni 1814 wurde Vorarlberg wieder an Österreich zurückgegeben, ein glücklicher Umstand, den Nachbauer nicht mehr erleben durfte.

 

Nachbauers Heimatgemeinde würdigt ihren Helden noch immer durch ein Denkmal und einer nach ihm benannten Straße und dem Platz vor der Brederiser Kirche. Auch die Volksschule in Brederis trägt seinen Namen. Auf dem Veitskapf bei Feldkirch steht ein Denkmal in Form eines Obelisken, das 1899 zur Hundertjahrfeier der Kämpfe dort errichtet wurde und an die Schlacht um Feldkirch, erinnert.

 

 

Euer Sokrates

 

 

Photo: Sigmund-Nachbauer-Denkmal Rankweil – Quelle: Wikipedia

 

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