Freitag, 1. November 2013

Am Eschnerberg in Liechtenstein


Übersicht
Schwierigkeit (1-5): 1
Dauer: 1 Stunde 50 Minuten
Höhenunterschied:  240 m aufwärts,  240 m abwärts
Einkehrmöglichkeiten: Bendern, Eschen
Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Liechtenstein-Bus von und nach Bendern




Die Route
Die heutige Wanderung führt uns in einen der kleinsten Staaten Europas, das Fürstentum Liechtenstein. Trotz seiner geographischen Kleinheit ist das Land unerwartet abwechslungsreich und führt von den Ebenen am rechten Ufer des Rheins bis weit hinauf auf die hohen Berge des Rätikons, mit weit über 2000 Metern Seehöhe. Historisch gesehen ist das Fürstentum Liechtenstein im Jahre 1719 durch den Zusammenschluss der Herrschaften Vaduz und Schellenberg durch das Haus Liechtenstein und durch die Verleihung der Reichsunmittelbarkeit durch Kaiser Karl VI. entstanden und steuert damit in wenigen Jahren auf den "300er" zu. Nach jahrhundertelanger Verbundenheit mit dem "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen", dessen Teil das Fürstentum mit Sitz und Stimme im Reichstag war und langer Verbundenheit mit dem "Kaiserthum Österreich", schloss sich der Kleinstaat nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs mit der Schweizerischen Eidgenossenschaft zu einer Zoll- und Währungsunion zusammen. Im Zweiten Weltkriegblieb das Land neutral, sicherte sich Vorteile in Bezug auf die Nachbarn Österreich und Schweiz und wurde vom Haus Liechtenstein in weiser Voraussicht regiert, so dass das Land heute als eines der prosperierendsten und lebenswertesten Länder der Welt darstellt. In vielerlei Hinsicht ist im Liechtenstein in den letzten (zumindest) hundert Jahren vieles richtig gemacht worden, was in der "großenPolitik" Europas nur allzuoft "verbockt" wurden. Mit einem pragmatischen, vernünftigen und gottesfürchtigen Wesen haben die Liechtensteiner die Stürme der Zeit erfolgreich überstanden und stehen heute zurecht besserda, als so mancher andere Staat des Kontinents. Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte vor allem der legendäre Fürst Franz Josef für die Industrialisierung des ursprünglich bäuerlich geprägten Landes und machte seine Herrschaft zu einem international bedeutenden Finanz- und Wirtschaftsplatz.
 
(Blick auf Oberbendern und die Schweizer Berge)


Ausgangspunkt bildet die im romanischen Stil erbaute Kirche von Bender, die auf einer leichten Anhöhe über dem Talgrund liegt und einen wunderbaren Ausblick auf das südliche Rheintal und die  Schweizer Berge bietet. Bendern gehört zu den ältesten bewohnten Gebieten des Fürstentums, ist keltischen Ursprungs, und bedeuteten dem Namen nach soviel wie "Befestigter Hof auf der Anhöhe". Die Herrschaft Schellenberg, der der auch Bendern gehörte, wurde als erste von den Fürsten von Liechtenstein erworben und hier wurde den neuen Landesherrn als erstes gehuldigt. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass hier die ersten Liechstensteiner zuhause sind.
 
Vom Friedhof aus wandern wir in Richtung Norden vorbei am "Liechtenstein Institut" und dem dahinter liegenden Pfarrhof, der für etwa hundert Jahre Sitz der Prämonstratenser von Chur war, nachdem diese ihren Sitz Chur im 16. Jahrhundert durch die dort vorherrschende Reformation verlassen mussten, überqueren wir die folgende Kreuzung und wandern bis zum Ende der geteerten Straße und erreichen so am Ortsende einen leicht ansteigend Feldweg. Diesem folgen wir nun, vorbei an schön angelegten Ruhebänken und entsprechenden Informationstafeln über Wiesen. Der Blick reicht in Gehrichtung ins "Österreichische" hinein, auf der rechten Seite erhebt sich über Nendeln der steil aufragende Gebirgsstock des "Älpele" und den darüber liegenden, sich majestätisch erhebenden und weitum bekannten "Drei Schwestern", die von Liechtenstein aus gut über die Höhensiedlung "Planken" oberhalb von Schaan zu erreichen sind.
 
(Am Eschnerberg)


Der Weg von Feldkirch über den Roferberg (Eschen) gilt als einer der ältesten Pilgerwege im Rheintal zum weltberühmten Kloster Einsiedeln. Auf diesem historischen Pilgerweg befinden wir uns nun in umgekehrter Richtung. Auch führte seit Urzeiten eine Straße entlang von Feldkirch, Nendeln, Maienfeld nach Chur, welches das älteste Bistum der Gegend ist und  bereits im fünften Jahrhundert als Bischofssitz erwähnt wird. Das Rheintal bildete bereits zur Römerzeit ein "Einlasstor" nach Italien, da über den San Bernardino und den Splügen-Pass das Tessin und damit auch die Ebene Norditaliens (mit Mailand als lange Zeit Hauptstadt des Römischen Reiches) schnell und verhältnismäßig leicht zu erreichen waren. Freilich lagen die Gebiete unmittelbar in der Nähe des Rheins noch lange als Sümpfe vor, so dass die Straßen in erhöhten Lagen, unterhalb der steilen Berghänge geführt wurden. Einstmals reichte der Bodensee über das gesamte  Rheintal hinweg bis nach Sargans und Chur - die letzten Reste der Sümpfe wurden erst im 19. Jahrhundert, vor allem durch den berühmten Ingenieur Johann Alois Negrelli (der auch den Suez-Kanal plante), beseitigt.
 
Vorbei an einigen Häusern kommen wir nun zu einer Kreuzung, wo die Straße, die von Gamprin heraufführt einmündet. Wir biegen nach rechts ab und folgen dieser Straße nun ein ganzes Stück weit, bis zur nächsten Kreuzung bei der Häusergruppe "Stig" - wir befinden uns nun bereits in der Gemeinde Eschen - biegen nach links ab und folgen diesem Weg bis zum letzten Haus, beim "Wingert Ebni" oberhalb dessen beim Weingarten, sich ein Wegweiser  befindet. Wir halten uns links und folgen dem ansteigenden Weg Richtung "Studa" weiter, der uns nun in den Wald führt. Immer der guten Beschilderung folgend gelangen wir zu einer kleinen Lichtung im Wald, halten uns dort am Waldrand entlang und folgen dem Wegweiser, der uns auf einen Pfad weist, der in mehreren Kehren zur prähistorischen Siedlung "Malanser" auf der Spitze des Eschnerberges führt.
 
(Blick auf das südliche Rheintal)

 
Dem Wegweiser folgend biegen wir anschließend nach rechts ab und folgen dem schönen Weg durch den Mischwald den Berg hinunter, über einige schöne Aussichtspunkte und über Wiesen im unteren Teil, bis wir wieder zum Wegweiser beim Weingut "Ebni" kommen. Nun folgen wir einige hunderte Meter weit dem Weg, den wir schon beim Anstieg zurückgelegt haben bis wir wieder zur Häusergruppe "Stig" kommen. Dieses Mal biegen wir jedoch nicht rechts ab, sondern überqueren die Kreuzung und folgen kurz der Gemeindestraße, bis kurz darauf nach rechts der "Roferbergweg" abzweigt, dem wir bis zur Roferbergkapelle folgen. Bei der historischen Kapelle unterhalb des Gasthof Hirschen, wenden wir uns nach rechts uns folgen der Straße bis wir wieder in Bendern angekommen sind. Anstatt auf die Hauptstraße zu gelangen, halten wir uns rechts und zweigen auf die "Plattagass", die in einer Kurve unterhalb von Oberbendern einmündet ab. In wenigen Minuten stehen wir wieder an unserem Ausgangspunkt, dem Kirchplatz von Bendern. Dort endet unsere heutige Wanderung.
 



Details
1.) Bendern - Malanser: 3 km; Höhenbewältigung: 240 m aufwärts; Dauer: 1 Stunde
2.) Malanser - Bendern: 3 km; Höhenbewältigung: 240 m abwärts; Dauer: 50 Minuten

Gesamt
 Strecke: 6 km; Höhenbewältigung: 240 m aufwärts, 240 m abwärts; Dauer: 1 Stunde 50 Minuten


Viel Vergnügen bei dieser schönen Wanderung wünscht der Bergfuchs.

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