Dienstag, 9. September 2014

Ruine Alt-Ems

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Schwierigkeit (1-5): 2
Dauer: 1 Stunde 25 Minunten
Höhenunterschied:  250 m aufwärts,  250 m abwärts
Einkehrmöglichkeiten: Hohenems
Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Bus und Bahn von und nach Hohenems




ROUTE
Die heutige Wanderung, die mehr ein Sonntagnachmittagsausflug ist, führt uns ins mittlere Vorarlberger Rheintal, in die jüngste Stadt des Landes Vorarlberg: Hohenems. Die heute 16000 Einwohner zählende Stadt (Stand März 2013) hat ein Gemeindegebiet von 29 Quadratkilometern und ist seit ihrer Erhebung zur Stadt im Jahr 1983 die vierte Stadt im dicht besiedelten Rheintal, jenem Gebiet, in dem der Großteil der Bevölkerung des westlichsten Bundeslandes Österreichs lebt. Lange Zeit hatten die Grafen von Ems versucht zwischen den Herrschaften im unteren (Bregenz) und oberen Rheintal (Feldkrich, Werdenberg-Sargans) eine eigene auf Expansion ausgerichtete Herrschaft zu errichten. Zeitweise waren sie mit diesem Vorhaben sehr erfolgreich, vor allem, als sie die Herrschaften Vaduz und Schellenberg (das heutige Fürstentum Liechtenstein) erwerben konnten. Relativ spät, erst 1765, kam die Grafschaft Hohenems, die sich über Lustenau bis zum Bodensee hinzog, zum Hause Österreich (Habsburg). Der Renaissance-Palast am Fuße des Schlossberges, im Zentrum von Hohenems, ist einzigartig in Vorarlberg. Er wurde unter dem aus dem Emser Geschlecht stammenden Fürstbischof von Konstanz, Marcus Sitticus Ende des 16. Jahrunderts durch den italienischen Baumeister Martino Longo, erbaut. Aus dem Geschlecht der Grafen von Ems entstammten einige Berühmtheiten, wie neben Marcus Sitticus, der Söldnerführer Merk Sittich oder die Grafen Jakob Hannibal I. und Kaspar I.
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(Überreste des Wohntraktes) 

Wir starten unsere Tour bei der Pfarrkirche, neben der ein Durchgang, der an den Renaissancepalast angrenzt, zu einem schönen breiten Weg führt, der durch den schönen Laubwald nach oben führt (sehr gut beschildert). Diesem folgen wir nun immer weiter, bis sich der Weg verengt und in steileren Serpentinen weiter bergwerts sich windet. Wenn auch nur etwa 250 Höhenmeter bis zum Wiesensattel bei der Ruine auf der Felsenkrone zurückzulegen sind, so kann man doch recht ins Schwitzen geraten, gerade dann, wenn man sich an einem warmen, sonnigen Oktobertag auf den Weg gemacht hat. Oben angekommen begrüßt einen sogleich das Rondell des Nordturmes, auf dessen Plattform sich ein großartiger Blick ins untere Rheintal und die über dem Rhein gelegenen Appenzellerberge bietet. Nun geht es noch ein paar Höhenmeter nach oben und wir betreten durch das gut restaurierte Burgtor die Anlage.
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(Konradsbrunnen)

Die Ruine Alt-Ems war mit über 600 Metern länge die längste Burgenanlage Österreichs im Mittelalter. Eine gute Beschilderung und mehrere Tafel (bereits am Ausgangspunkt bei der Pfarrkirche und oben auf der Anlage selbst) geben Auskunft über die Geschichte der Ruine und ihr einstiges imposantes Aussehen. Gleich nachdem wir das Tor durchschritten haben, können wir zur Linken über einen Metallsteg zur Plattform auf dem runden Turm gelangen. Ein Ausblick von dort, vor allem an schönen klaren (Herbst-)Tagen, sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Wunderbar öffnet sich der Blick auf den Bodensee und das Schwäbische Land dahinter, sowie auf die sanften Hügel des Appenzellerlandes, die allmählich immer höher sich anheben, bis sie im Alpstein und dessen höchster Erhebung, dem Säntis, ihre Zenit erreichen. Zu unserer Füßen liegt die dicht verbaute Stadt Hohenems und nicht weit davon im Westen über dem Alten Rhein die schweizerische Gemeinde Diepoldsau. Nicht zu vergessen ist auch das Schloss Glopper bzw. Neu-Ems, das sich in wenigen hundert Metern Entfernung, gegen Nordnordost, hinter den Laubbäumen, etwa auf gleicher Höhe wie Alt-Ems, erhebt. Dieses Schloss ist jedoch für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und wird von den Grafen von Waldburg-Zeil bewohnt.
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(Einstiges Aussehen der Burg Alt-Ems)

Die ganze Anlage der Burgruine thront auf einem recht schmalen Grat; die Burgruine ist vor allem in die Länge gezogen, ist jedoch an den wenigsten Stelle auch nur mehr als zwanzig bis dreißig Meter breit. Etwa in der Mitte der Anlage befindet sich der "Konradsbrunnen", von dem die Legende berichtet, dass hier der Heilige Konrad (10. Jh.), nachdem es auf der Anhöhe kein Wasser gegeben habe, solches in einem Tüchlein hinaufgetragen habe. Dort wo er das Wasser auf die Erde goss, sei sogleich eine Quelle entsprungen, die noch heute das kühle Nass von sich gäbe.
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(Blick von Alt-Ems auf das Zentrum von Hohenems)

Nachdem wir die Ruinenanlage ausgiebig begutachtet und genossen haben, verlassen wir sie wieder auf demselben Weg, auf dem wir gekommen sind, durch das Burgtor zurück zum Wiesensattel. Allerdings halten wir uns hier nun rechts und spazieren durch einen Torbogen auf einem schönen breiten Weg auf der Rückseite des Berges hinunter. Bei der bald kommenden Abzweigung (mit Beschilderung), halten wir uns rechts und gelangen so auf einem schmaleren Fußweg, der auch deutlich steiler ist, als der vorherige Fahrweg, hinunter ins Tal. Der Straße um den Schlossberg herum folgend, gelangen wir wieder zum Palast bzw. der Pfarrkirche, wo unsere Wanderung ihren Ausgang nahm. Hier findet sie auch ihren Abschluss.
x(Herbstlicher Laubwald auf dem Hohenemser Schlossberg)

Am schönsten ist diese kurze Nachmittagswanderung im Herbst zu unternehmen, wenn sich der Laubwald um die Ruine Alt-Ems in eine Farbenpracht aus Gelb, Orange, Rot und Brauntönen verwandelt hat. Die Herbststimmung hat etwas von Vergänglichkeit an sich, erinnert noch einmal an das pralle Leben des Sommers. Ähnlich verhält es sich auch mit den alten Rittergeschichten und -überlieferungen. Die Überreste der einstigen Burg erinnern uns an das Vergängliche allen Irdischens und lassen trotz machem Wehmut auch eine gewisse Bewunderung für die Vergangenheit und deren Leistungen in dem empfindsamen Herzen des Romantikers aufkommen. Sollte man jedoch ein solcher nicht sein, so ist ein Herbstausflug auf die Alt-Ems in jedem Fall eine schöne Abwechslung vom Alltag in der freine Natur, vielleicht sogar ein kleines Abenteuer. 
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Details:
1.) Hohenems - Ruine Alt-Ems: Strecke: 1,2 km; Höhenbewältigung: 250 m aufwärts; Dauer: 50 Minuten
2.) Ruine Alt-Ems - Hohenems: Strecke: 1,8 km; Höhenbewältigung: 250 m abwärts; Dauer: 35 Minuten


Gesamt:
Strecke: 3 km; Höhenbewältigung: 250 m aufwärts, 250 m abwärts; Dauer: 1 Stunde 25 Minuten




Viel Freude wünscht Euch allen der Bergfuchs.









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