Samstag, 6. Februar 2016

Die Geschichte der Tostner Burg


Im Feldkircher Stadtteil Tosters liegt eine der größten Burganlagen in Westösterreich. Der gut restaurierte und imposant-wuchtige, 27 m hohen, Bergfried ist zu jeder Jahreszeit (Belaubung des Waldes) bereits von weitem erkennbar und thront friedvoll über den Häusern von Tosters. Ich habe bereits in einem früheren Beitrag eine Wanderung beschrieben, dich auch zur Tostern Burg führt: siehe dazu hier. Heute möchte ich etwas über die Geschichte dieser Anlage schreiben.


(Der Bergfried der Tostner Burg)

Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft Tosters fand bereits am 30. Jänner 1045 statt, in einer von Kaiser Heinrich III. für das Schweizer Kloster Schännis ausgestellten Urkunde, welches zur damaligen Zeit einige Besitzungen im heutigen Vorarlberg hatte. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Tosters noch keine Wehranlagen. Dies änderte dann in der Mitte des 13. Jahrhunderts mit der Erbauung der Tostner Burg (um 1260) durch die Grafen von Montfort (Graf Hugo II.), die zu Beginn dieses Jahrhunderts auch die Stadt Feldkirch selbst gegründet hatten und eine Seitenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen darstellen und mit ihren verschiedenen Familienlinien den größten Teil des Rheintals (beide Seiten) beherrschten.


(Die Überreste des Palas)

Auch wenn bislang keine älteren Anlagen auf dem weiten Burgareal nachgewiesen werden könnten, gibt es die begründete Vermutung, dass es bereits vor dem 13. Jahrhundert erste Befestigungen gegeben haben könnte. Einerseits spricht die exponierte und gut zu vereidigende Lage auf einem Felsen über dem Tal dafür, andererseits umfasst die lange Ringmauer ein überaus großes Gebiet, das weit über die Notwendigkeit und Üblichkeit solcher Burganlagen aus jener Zeit hinausreicht.


(Außenmauer des Palas beim Eingang zur Burganlage)

Im 14. Jahrhundert kam es dann zu mehreren Besitzerwechsel. Zuerst erwarb das Geschlecht der Fürstenberg 1362 die Anlage. Bereits 1389 jedoch erwarb die Stadt Feldkirch die Burg aber sie sogleich als Pfand dem Haus Toggenburg übergeben. Anfang des 15. Jahrhunderts, im November 1405, wurde die Anlage in den Appenzellerkriegen mithilfe von damals modernstem Kriegsgerat (va. Belagerungsmaschinen) bis auf den großen Turm vollständig zerstört. Nach der Zerstörung erfolgte der teilweise Wiederaufbau (vor allem des Palas). Herzog Friedrich von Tirol löste das toggenburgische Pfand aus und übergab die Burg wieder der Stadt Feldkirch.


(Eingangstor zur Tostner Burg)

Ab dem späten 15. Jahrhundert wechselten die Besitzen sehr oft (unter anderem: die Tratzberger und Gienger aus Hall, Grafen von Hohenems, Jonas aus Götzis) und die Burg diente wiederholt als Pfand. In der Zwischenzeit verfiel sie ab Anfang des 17. Jahrhunderts immer mehr, wurde 1838/39 erstmals teilweise restauriert (nur er Bergfried) und gelangte 1905 in den Besitz von Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich (jener, der 1914 in Sarajewo ermordet wurde). Damals stattete der Erzherzog der kleinen Ortschaft Tosters (die damals noch selbständig war und nicht zur Stadt Feldkirch gehörte) einen Besuch ab und erkundete seinen Besitz ganz im Westen der Monarchie.


(Blick von der Burganlage auf Toster und  im Hintergrund Gisingen)

Mitten im Ersten Weltkrieg, 1915, erwarb der Tisner Pfarrer Josef Häusle aus dem Besitz von Max Fürst von Hohenberg die Ruine. 1935 wurde die Tostner Burg an den Heimatpflege- und Museumsverein Feldkirch verkauft, der noch heute Eigentümer der Anlage ist. Seither hat die Burg etliche Restaurierungen erfahren, die letzte 2015, so dass dieses Kleinod uns noch lange erhalten bleibt. Wir können nur hoffen, dass auch zukünftige Generationen sich für ihr historisches Erbe derart einsetzen werden.

 

In den Jahren 2014/15 wurden umfangreiche archäologische Ausgrabungs- und Vermessungsarbeiten durchgeführt, die, wie man hört, zu einigen neuen Erkenntnissen geführt haben sollen. Auf die Ergebnisse können wir gespannt sein.

 

 

Euer Bergfuchs

 

P.S.: Über die Baugeschichte der Tostner Burg gibt es ein ausführliches Kapitel im Buch „Tosters – Eine Dorfgeschichte“, Herausgeber Heimatkundeverein Tosters, 2002.

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