Freitag, 1. Februar 2013

Ruine Sigberg – Göfis


           Der folgende Text bildet einen Zusatz zur oben beschriebenen Wanderung von Satteins nach Feldkirch. Er beinhaltet eine Beschreibung, der sich auf dieser Route befindlichen Ruine Sigberg.
 
Gut versteckt im Wald, befindet sich auf einer kleinen Anhöhe unterhalb des sonnigen Dorfes Göfis die Ruine Sigberg, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen. Sigberg liegt oberhalb der Ill und der Autobahn, die jedoch nicht zu sehen (jedoch teilweise zu hören) sind. In wenigen Minuten vom Ortszentrum von Göfis zu erreichen ist dort seit 2001 ein beliebt gewordenes Ausflugsziel (typisches Halbtagsziel) entstanden. Unterhalb der Mauern der Ruine befindet sich auf dem Areal ein großer, gern genutzter Grill- und Picknickplatz.

            Die Ruine ist auf leichten Wegen sehr gut und schnell erreichbar, was das Ausflugziel gerade auch für Familien mit Kindern, auch kleinen Kindern, attraktiv macht. Die Anlage beinhaltet eine teilweise wieder aufgebaute Ringmauer, Reste eines daran anschließenden Wohnhauses, und des freistehenden Bergfrieds.
 
            Das Geschlecht der Sigberg wird erstmals 1255 erwähnt. Sie dürften mit den Rittern von „Gäfis“, „Tuvers“ und „Tunnes“ (beides Ortsteile von Göfis – „Tufers“, „Dums“) verwandet gewesen sein. Bei den Sigberg handelt es sich um Ministeralien (Dienstmannen) der Grafen von Montfort, die selbst eine Seitenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen bilden: Zuerst diente Sigberg dem Feldkircher, später dem Werdenberger Zweig der Dynastie.  Nachdem die beiden Montforter-Familien ständig in Streit lagen, hatte dies auch Auswirkungen auf deren getreue Gefolgsleute. Daraus erklärt sich das bald gespannte Verhältnis der Sigberg zum nahen Feldkirch.

            Am 1. Mai 1358 zerstörte der Feldkircher Graf Rudolf III, der seine eigenen Bürger überfallen hatte, wahrscheinlich, weil etliche Feldkircher auf die Burg Sigberg geflüchtet waren, diese Anlage. Später wurde die Burg wieder aufgebaut. In den ein halbes Jahrhundert später stattfindenden „Appenzellerkriegen“ blieb die Burg unbeschadet, was eine Ausnahme im Land Vorarlberg darstellte; der Großteil der Burgen- und Burganlagen im Land waren damals zerstörte worden.
Nachdem 1376 Feldkirch zum Haus Habsburg (Österreich), wirksam 1390 durch den kinderlosen Tod des letzten Feldkirch-Montforter, kam, wurde die Herrschaft durch Vögte verwaltet. Einer dieser Vögte war Graf Friedrich von Toggenburg, der für seine harte Herrschaft bekannt war. Dieser Graf war es auch, der die Burg Sigberg 1435 erneut zerstörte. Um diese Zeit, in der Mitte des 15. Jahrhunderts, starb das Geschlecht Sigberg im Mannesstamm aus. Die Burg selbst wurde wieder aufgebaut, bildete jedoch bereits um 1600 aufs Neue nur noch eine Ruine. Bis 1637 war dennoch die Kapelle der Burg in Verwendung gestanden.

Interessanterweise bedeutet „Sigberg“ dasselbe wie „Montfort“, nämlich „starker Berg“ oder „Starkenberg“. Die ältesten Quellen weisen auf ein „Segavio“ hin, das vom Keltischen „segos“ für „Stärke, Kraft, Sieg“ abgeleitet ist.

Die Sigberg hatten neben dem Gebiet um Göfis auch Besitzungen im Gebiet von Dornbirn-Mühlebach (bereits 1318 von den Grafen von Ems erworben) und im oberen Rheintal, im Gebiet um Chur. Dazu gehörten die Burg Ober-Ruchenberg bei Trimmis, Burg Neu-Aspermont bei Jenins und Schloss Marschlins bei Igis. Zu erwähnende Personen aus dem Geschlecht der Sigberg sind Wernher von Sigberg, der um 1300 Domherr in Chur war, Adelheid von Sigberg, die im 13. Jahrhundert Fürstäbtission des Stifts Schänis in der Schweiz war und Ursula von Sigberg, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts Fürstäbtissin des Stifts zu Lindau war.

 
            Die Sanierung der Ruine erfolgte in vier Phasen zwischen 2001 und 2008. Dadurch ist aus einer versteckten und deshalb schwer zu findenden Ruine eine ansehnliche Anlage entstanden. Dabei wurden die Mauerreste ausgegraben, Ausbesserungsarbeiten durchgeführt und für den Verwitterungsschutz gesorgt. Die Sanierung von Sigberg erfolgte in Zusammenarbeit der Gemeinde Göfis, dem Land Vorarlberg, des Bundesdenkmalamtes, dem Burgenausschuss des Vorarlberger Landesmuseumsvereins und dem Organisationskomitee zur Erhaltung der Ruine Sigberg. Zur Unterstützung der Sanierung der Ruine können „Burgsteine“ um jeweils 8 Euro bei der Raiffeisenbank Göfis gespendet werden.

 

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