Dienstag, 1. September 2015

Radtour von Feldkirch nach Chur


Übersicht

Streckenlänge: 65 Kilometer

Höhenbewältigung: 300 m aufwärts, 150 m abwärts

Dauer: ca. 3 – 3 ½ Stunden

 

Der Sommer ist meteorologisch gesehen bereits vorbei und mit dem heutigen Tag beginnt der Herbst. Nichtsdestotrotz werden wir wohl noch schöne und auch warme Tage erleben, die sich für Wanderungen und Radtouren ganz besonders eigenen. Ich möchte Euch heute eine sehr schöne Route vorstellen, die zwar etwas länger ist als die bisher beschriebenen, doch für einigermaßen geübte Radler eine schöne Tagestour darstellt. Wir passieren dabei drei Länder – Österreich, das Fürstentum Liechtenstein und die Schweiz (Kantone St. Gallen und Graubünden) – und werden dabei von einer herrlichen Gebirgstallandschaft, des wie aus einem Guss zu stammen scheinenden Alpenrheintales, begleitet.

Eine Bemerkung zu den Windverhältnissen so hier nicht unterbleiben: An warmen Tagen bläst der Wind im Alpenrheintal, vor allem wenn die Luft bereits gut erwärmt ist, talauswärts in Richtung Bodensee. Die heutige Tour eignet sich deshalb vor allem für Frühaufsteher, die bereits kurz nach Sonnenaufgang aufbrechen. Zu beachten ist auch der im ganzen Rheintal oft heftig tobende Föhn. Gegen diesen „anzufahren“ kann sehr schweißtreibend, ja in extremen Fällen nahezu unmöglich sein. Mitunter eignet sich die heutige Radtour deshalb, je nach Windverhältnissen, in der umgekehrten Richtung von Chur nach Feldkirch. Der Höhenunterschied von 150 m, auf eine Distanz von 65 km, hingegen, spielt kaum eine Rolle – auch der Abstecher in die Bündner Herrschaft ist nicht besonders anstrengend.

 

Die Route

Ausgangspunkt bildet wieder einmal die Stadt Feldkirch. Beim Churertor starten wir, fahren durch die Illschlucht nach Tosters, durchqueren den Ortsteil vollständig und folgen den Hinweistafeln ins Ried hinaus, bis wir zum Egelsee gelangen. Dort überqueren wir den Steg und befinden uns damit bereits im Fürstentum Liechtenstein. Der schön geteerte Radweg führt nun schnurstracks gerade aus zwischen Wiesen und Feldern hindurch, bis wir nach etwa zwei Kilometern zu einem Bauernhaus und dem „Vogelparadies Mauren“ kommen (ein beliebtes Freizeitziel, besonders für Familien mit Kindern). Dort biegen wir auf den Radweg nach links ab und folgen der Verbindungsstraße zwischen Schaanwald und Mauren ein paar hundert Meter weit, bis die rote Radhinweistafel uns anweist die Straße zu überqueren und weiter durch Wiesen und Felder bis wir zur Verbindungsstraße zwischen Nendeln und Eschen gelangen. Dieser Straße folgen wir, nachdem wir rechts auf den Fahrradweg abgebogen sind, immer weiter, unterhalb der Gemeinde Eschen vorbei, bis wir bei Bendern auf den Rheindamm gelangen.


(Blick auf Gonzen und Alvier vom Rheindamm bei Sargans aus)

 

Dem schönen breiten Fahrweg auf dem Rheindamm folgen wir nun in Richtung Süden. Bald sehen wir bereits die Fernwärmeanlage von Buchs auf der Schweizer Rheinseite vor uns. Direkt von der Anlage führt ein Steg über den Fluss. Wir wechseln nun hier die Uferseite und befinden und jetzt bereits in der Schweiz. Von hier aus folgen wir stets dem Wegweiser der nationalen Route Nummer 2, die von Andermatt, dem Rhein entlang, bis nach Basel führt (beziehungsweise in umgekehrter Richtung, so wie wir unterwegs sind). Weiter geht es immer nach Süden auf dem Damm, vorbei an Buchs, Sevelen und Trübbach, bis wir bereits den Fläscherberg mit Luzisteig, das Pizolgebiet ob Sargans und den Sarganser Hausberg, den Gonzen, vor bzw. neben uns haben. Nun geht es auf dem Schweizer Rheindamm um den Fläscherberg herum, die eindrucksvollen Felsformationen auf der linken Seite am anderen Flussufer bemerkend. Nach einigen Kilometern, kurz vor Bad Ragaz, kommen wir zu einer schmalen Brücke, die nach Fläsch, dem ersten Ortschaft der „Bündner Herrschaft“ hinüberführt. Hier wechseln wir die Flussseite.


(Steinbockbrunnen in Malans)

 

Nun geht es ansteigend durch Fläsch hindurch, durch Weinberge und mit schönem Blick auf die andere Talseite (Bad Ragaz mit Pirminsberg und Taminaschlucht). Die nun kommende Strecke ist durch die Anstiege etwas anstrengender, entschädigt einen jedoch überreich durch die reizvolle Landschaft und die pittoresken Dörfer Maienfeld (mit „Heidiland“), Jenins und Malans. Es gehören diese Kilometer zweifellos zu den schönsten der ganzen heutigen Tour und ein Abstecher in einen der Gasthöfe oder die eine oder andere Rast an einem schönen Aussichtspunkt (von denen es hier etliche gibt) lohnt sich auf jeden Fall. Auch darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass die Weine aus der „Bündner Herrschaft“ zu den besten der Schweiz gehören – vor allem roter Qualitätswein (Blauburgunder) wird hier angepflanzt, daneben gibt es aber auch in kleineren Mengen Weißweine, bzw. einige Spezialweine. Die sonnigen Ortschaften sind nicht nur durch ihre Lage, sonder vor allem auch durch den oft starken Föhn in dieser Region (der „Traubenkocher“) für den Weinanbau sehr gut geeignet (trotz der geographischen Höhe von knapp 600m!). In den letzten Jahrzehnten wurde die Anbaufläche mehr als verdoppelt und so mancher Weinkenner, weit über die Grenzen der Schweiz hinaus, weiß den „Herrschäftler“ sehr zu schätzen. Wein wird in allen vier Gemeinden – Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans angebaut, kann dort verkostet und gekauft werden. In Maienfeld sind neben stattlichen Bürgerhäusern auch das Schloss Brandis und Schloss Salenegg zu bewundern. Oberhalb von Jenins befindet sich die Ruine Neu Aspermont und Malans kann mit Schloss Bothmar aufwarten. Es ist deutlich zu erkennen, dass hier nicht die ärmsten Bündner ansässig waren, bzw. sind.


(Wegstrecke durch die Weinberge von Malans)

 

Nachdem wir die Weinberge hinter uns in Jenins den höchsten Punkt unserer Tour erreicht und die Abfahrt nach Malans hinter uns gebracht haben, überqueren wir den Fluss „Landquart“ und fahren auf verkehrsarmen Straßen und Wegen durch landwirtschaftliches Gebiet unterhalb der Berge weiter. Wir umfahren so die Industriestadt Landquart großräumig, bis wir bei Igis dem Rhein wieder näher kommen. Die Hauptstraße und die beiden Bahnlinien (SBB und Rätische Bahn) überquerend, gelangen wir über Wiesen und Felder an der Gemeinde Zizers vorbei. Die letzte österreichische Kaiserin, Zita, verbrachte im „Unteren Schloss“ in Zizers ihre letzen Lebensjahre. Auch hier lohnt sich ein Abstecher.


(Blick zwischen Zizers und Igis auf die „Falknis“ )

 

Nun ist der Radweg eine zeitlang zwischen Rhein, Autobahn und Eisenbahnstrecke „eingeklemmt“, bzw. geht an diesen entlang. Wir unterqueren die Brücke, die von Zizers nach Untervaz führt (Vorsicht! nicht auf die Hauptstraße wechseln oder den Rhein überqueren). Dann kommen wir an einigen Industrieanlangen vorbei, passieren den Bahnhof von Trimmis und gelangen, teilweise durch schönes Laubwaldgebiet, nahe an das Flussufer. Der Lärm von Eisen- und Autobahn ist hier nicht mehr so stark zu hören. Auf den letzten Kilometer bis Chur werden wir jedoch wieder vom Verkehr „eingeholt“. Wir passieren die Straße, die über ein Brücke nach Haldenstein, auf der Chur gegenüberliegenden Rheinseite, führt, kommen auf einen Kreisverkehr, wo wir uns gleich rechts halten und kommen so zu den Außenbezirken von Chur. Nachdem wir auf die „Wiesentalstraße“ gelangt sind, folgen wir dieser immer weiter, passieren dabei einen Kreisverkehr, bis wir zum Hauptbahnhof von Chur gelangen, wo unsere heutige Tour ihr Ende findet.


(Chur – Postgebäude am Postplatz)

 

Chur ist die Hauptstadt des Kantons Graubünden und gilt als die älteste Stadt der Schweiz überhaupt. Sie dürfte seit dem 4. Jahrhundert Bischofssitz sein, die erste urkundliche Erwähnung die einen solchen bezeugt, stammt aus dem Jahr 451. Feldkirch und Chur sind miteinander historisch über vielfältige Fäden miteinander verbunden. So unterstand der südliche Teil Vorarlbergs, die Stadt Feldkirch eingeschlossen, kirchlich bis zum Jahr 1816 der Diözese Chur. Der letzte Graf von Montfort, Rudolf V. war lange Zeit Domherr zu Chur, bevor er, wider erwarten, nach dem Tod seines Bruders, die weltliche Laufbahn einschlagen musst. Bis heute ist der Dompfarrer zu Feldkirch Mitglied des Domkapitels von Chur. Die Stadt zwischen Rhein und Plessur verfügt über eine sehenswerte Altstadt mit vielen herrschaftlichen Gebäuden, Kirchen und zahlreichen Brunnen, aus denen kristallklares Schweizer Gebirgswasser fließt.


 

Eine schöne Radtour wünscht Euch der Bergfuchs.

 

 

 

P.S.: über die Stadt Chur werde ich bald einen eigenen Beitrag hier auf diesem Blog verfassen.

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