Montag, 28. September 2015

Tag des Denkmals 2015 - Bregenz

 
           Bereits zum. 25. Mal fanden heuer die European Heritage Days statt. Österreich nahm erstmals 1997 (mit Oberösterreich) daran teil, ab 1998 mit dem ganzen Land unter dem Namen „Tag des Denkmals“. Heuer stand der Event unter dem Motto „Feuer und Flamme“. Mit 36 Objekten ist das kleine Vorarlberg besonders gut vertreten unter den österreichischen Bundesländern. Nur die viel größeren Länder wie Wien und Oberösterreich boten mehr denkmalgeschützte Objekte zur Besichtigung an. In Vorarlberg bildete die Landeshauptstadt Bregenz den heurigen Programmschwerpunkt des Denkmaltages. Dementsprechend möchte ich heute auch darüber berichten. Ich präsentiere Euch hier einen Streifzug durch Bregenz und berichte über jene Objekte, die ich gestern selbst besucht habe. Freilich gibt es noch viele weitere, die ebenso sehr interessant sein können. Hier schildere ich persönliche Eindrücke und nicht einen umfassenden Überblick über alle gestern stattfindenden Aktionen in Bregenz.


(Palais Thurn und Taxis)

 

            Bereits am Vormittag ging es in die Gallusstraße zu dem schönen, auch von der Straße aus gut einsehbaren, Palais Thurn und Taxis. Besonders sehenswert ist der 16000 Quadratmeter große Park, der über exotische Bäume (und Baumriesen) verfügt. Dieser Park gehört zu den herausragendsten in der gesamten Bodenseeregion und steht seit 1929 unter Schutz. Damals hatte sich eine Bürgerinitiative vehement für den Erhalt der Anlage eingesetzt. Der Bürgermeister samt Stadtrat planten den Park der Erweiterung des angrenzenden Friedhofes weichen zu lassen. Daraus wurde nichts, dafür wurde ein Durchgang vom Friedhof zum öffentlich zugänglichen Park gebaut.


(Parkanlage des Palais’  Thurn und Taxis)



(Martinsturm)

 

            Der Martinsturm in der Oberstadt bildet eines der Wahrzeichen der Landeshauptstadt Bregenz. Mit seinem markanten Zwiebelturm ist er schon von weitum erkennbar. Ursprünglich diente er als Getreidespeicher, wurde später aufgestockt und im Untergeschoß eine Kapelle eingerichtet. Von der einstigen Befestigungsanlage von Bregenz stehen noch drei, der ursprünglich vier Türme (der Martinsturm ist einer davon). Der Schalkturm wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts wegen baufälligkeit abgerissen.


(Brunnen mit Statue des Minnesägers Hugo von Montfort)

 

            Die Ursprünge der Stadt Bregenz liegen weit in vorrömischer Zeit. Schon unter den Kelten bestand hier eine Ansiedlung, die Römer romanisierten deren Name und machten daraus Brigantium. 1076 wurde die Stadt vom St. Galler Abt im Zuge des Investiturstreites niedergebrannt. Die ersten „Grafen von Bregenz“ waren die Udalrichinger, die bereits mit Karl dem Großen verschwägert waren und aufgrund ihrer Tradition, den ältesten Sohn stets „Ulrich“ zu nennen, zu ihrem Geschlechtsnamen kamen. Auf die Udalrichinger folgten die bekannten Montforter, einer Seitenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen, die dafür bekannt waren, dass sie sich bei Erbstreitigkeiten oft in verschiedene Linien aufspalteten. So trennten sie sich unter anderem auch in die Linien Montfort-Feldkirch und Montfort-Bregenz.

 

            Einer der Landesheiligen Vorarlberg ist der in Bregenz geborene Heilige Gebhard. Einer hartnäckig sich haltenden Legende zufolge wurde er auf Burg Hohenbregenz auf dem Gebhardsberg geboren. Das ist zwar eine schöne Legende, auch der Name des Berges ließe sich damit gut erklären, doch entspricht sie nicht den historischen Tatsachen. Gebhard wurde auf der Burg Bregenz, die dort lag, wo sich heute das Bundesdenkmalamt befindet, geboren.


(Ansitz Grünholz)

 

            Im Zuge des Tags des Denkmals wurde auch eine sehr schöne Stadtwanderung zu den Edelsitzen von Bregenz angeboten. Dabei wurde etwa über die bekannte Familie Deuring berichtet, die aufgrund ihres wirtschaftlichen Erfolges in den Adelsstand erhoben wurde und fortan das „von“ im Namen tragen durfte. Reich geworden waren sie einerseits mit Weinanbau (der bis ins 16. Jahrhundert hinein blühte) und durch die Produktion von und den Handel mit Rebstecken. Millionen davon wurden aus den Wäldern des Bregenzerwaldes gefertigt und über den Bodensee zu den Weingärten Süddeutschland befördert.

 

            Weiter ging es durch die schöne Oberstadt hinauf zum Mildenberg. Dort konnten zuerst die Ansitze Grünholz und ein auf der anderen Seite stehende ehemalige Amtsgebäude der Habsburger Vögte bestaunt werden. Weiter ging es zum Anwesen Lössler unterhalb des Hanges, der zum Pfänder hinauf führt.


(Ansitz Lössler)

 

            Das Anwesen Schedler hat eine bewegte Geschichte. Hier befand sich einst ein Wirtshaus der Lindauer Familie Walser, die dieses unter dem Namen „Walsertal“ führten (hat freilich nichts mit den beiden Talschaften in Vorarlberg zu tun). In Laufe seiner Geschichte war es auch die Außenstelle des Klosters Weingarten bei Ravensburg und diente ebenso als Benefiziathaus (Benefiziat ist ein von der Bevölkerung finanzierter Priester).


(Ansitz Schedler)

 

            Weiter ging die Wanderung vorbei an schönen Villen und Anwesen, mit schöner Aussicht auf die Stadtpfarrkirche St. Gallus bis zum Schlösschen Raczynski, dem Höhepunkt des Rundganges.


(Schlösschen Raczynski)

 

Das Schlösschen Raczynski wurde in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts von einem polischen Fürsten gleichen Namens, erbaut. Es wird erzählt, als der Fürst mit seiner Frau über den Bodensee auf Bregenz zu gefahren sei, sei der Fürstin dieser Ort sogleich ins Auge gestochen und sie habe sich gewünscht hier zu wohnen. Daraufhin wurde das Schlösschen errichtet. Es war bereits mit einer zentralen Warmwasserheizung ausgestattet und verfügte damals über den neuesten Stand der Technik. Später erwarben es die Dominikanerinnern und errichteten eine Mädchenschule. Während des Zweiten Weltkrieges diente es als Lazarett. Ab 1946 bis heute gehört es wieder den Dominikanerinnen – der Schultrakt, der von ihnen betriebenen Mädchenschule Marienberg, befindet sich etwas unterhalb des Schlösschens. Der romantische Bau kann auch privat gemietet werden – besonders gerne wird er für Hochzeiten gebucht.

 

Ideals Wetter, angenehme Temperaturen und ein reichhaltiges Angebot and Kulturobjekten machten den heurigen Tag des Denkmals zu einem schönen Erlebnis. Der Termin für nächstes Jahr, am 25. September (2016), ist schon vorgemerkt.

 

 

Euer Bergfuchs

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